Auf dem Espenmoos daheim (Tagblatt Online: 3. November 2015)

Die NLA-Frauen des FC St. Gallen verlieren das Derby gegen Staad 1:3 und bleiben punktelos am Tabellenende. Tamara Rohner denkt dennoch an die schönen Seiten des Fussballs.

BENI BRUGGMANN

FUSSBALL. «Als kleines Mädchen ging ich öfters zusammen mit meinem Vater und Dominik, meinem Bruder, zum Match des FC St. Gallen ins Espenmoos. Wir hatten unsern Platz im Fanblock. Damit ich auch etwas vom Spiel zu sehen bekam, nahmen wir einen Harass mit. Ich stellte mich darauf.» Tamara Rohner, heute 21jährig, erinnert sich gerne an ihre ersten Besuche im ehemaligen St. Galler Stadion. Heute ist sie als Stammspielerin bei den Frauen des FC St. Gallen auf dem Espenmoos daheim.

Im St. Galler Stadtteil St. Georgen wächst Tamara Rohner auf. Sie spielt Fussball, zusammen mit Dominik und weiteren Buben aus dem Quartier, meist auf der kleinen Wiese an der Herbrigstrasse. Zusammen mit ihren Fussballkollegen geht sie in den FC, zu St. Otmar. «Als ich in der vierten Klasse war, haben mich die Buben genervt», sagt sie. Kurzerhand wechselt sie die Sportart und spielt – der Name St. Otmar verrät es – Handball. Aber nicht lange. Der Fussball lässt die St. Gallerin nicht los.

Das erste NLA-Spiel

Tamara Rohner kommt zum FC St. Gallen und spielt erfolgreich im Nachwuchs. Sie ist noch nicht einmal 16, als sie ihren ersten Einsatz in der obersten Liga hat: «Es war in Yverdon. Ich war nervös – mehr weiss ich nicht mehr.» Nicht einmal ans Resultat erinnert sie sich. Sie wird Stammspielerin. «Natürlich bin ich stolz, dass ich mein Ziel erreicht habe», sagt sie und zählt dann auf, was sie an ihrem geliebten Sport so schätzt: «Es sind die Emotionen. Es ist der Spass. Es ist das Zusammensein im Team. Und es sind die vielen schönen Momente.»

Die schönen Momente? Das sagt sie ein paar Minuten nach der 1:3-Niederlage im Derby gegen Staad. Und sie strahlt. Ist die Niederlage schon vergessen? Natürlich nicht. Sie hat sich aufs Spiel gefreut und sich mehr erhofft: «Staad hat am Anfang mehr Druck gemacht, aber wir hatten in der zweiten Halbzeit auch unsere Chancen. Es gab sogar eine Möglichkeit zum 2:2.»

St. Gallens Abwehr fabriziert in der 50. Minute einen Abpraller, und Franziska Sallmann trifft zum 0:1. Zwei Minuten später ist Lea Kalmbach von der Strafraumgrenze aus erfolgreich. Die St. Gallerin Melina Salaorni verkürzt auf 1:2, doch in der Nachspielzeit erzielt Rafaela Bisquolm den dritten Treffer.

Tamara Rohner, Rechtsfüsserin, spielt als linke Aussenverteidigerin. Sie ist stets anspielbar. Ist sie am Ball, findet sie mit kurzen genauen Pässen rasch eine Mitspielerin. In vernünftigem Mass zeigt sie Offensivdrang. Die einzige Chance ihres Teams in der ersten Hälfte erarbeitet sie sich mit einem Durchbruch auf der linken Seite. Als sie in der zweiten Halbzeit in einem Laufduell einen Moment zögert, zieht ihre Gegnerin weg. Es bleibt nur das Eingreifen von hinten. Für dieses Foul wird sie mit der gelben Karte bestraft.

«Wir werden uns durchsetzen»

Nach dieser Niederlage, der neunten im neunten Spiel, bleibt der FC St. Gallen ohne einen Punkt am Tabellenende. Traurige Lage, traurige Spielerin? Mitnichten! Sie findet Positives: «Wir haben mit Beat Naldi einen neuen Trainer. Seine ruhige Art tut uns gut. Wir haben mehr Selbstvertrauen.» Und es bleibt die Abstiegsrunde. «Da werden wir uns durchsetzen.» Morgen Mittwoch feiert Tamara ihren 21. Geburtstag. Es ist für sie klar, wo sie am Abend ist: «Auf dem Espenmoos. Wir haben Training.» Da ist sie ja (fast) daheim.

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