Brigitta Mettler, erste Frau im Verwaltungsrat des FC St. Gallen (Tagblatt Online: 4. November 2015)

Brigitta Mettler, erste Frau im Verwaltungsrat der FC St.Gallen AG. 
An der gestrigen Generalversammlung wurde mit Brigitta Mettler erstmals eine Frau in den Verwaltungsrat der FC St. Gallen AG gewählt. Die 42jährige Thurgauerin ist seit Ende September Präsidentin der Frauenabteilung des FC St. Gallen, welche kürzlich in die Strukturen der FC St. Gallen AG und ins Nachwuchsprojekt FCO eingegliedert wurde. Mettler werde dank ihrer Erfahrung als selbständige Unternehmensberaterin mithelfen, die Strukturen im Frauenfussball der Region zu professionalisieren, sagte FC-St. Gallen-Präsident Dölf Früh gestern. (rst)

„Ich muss mich nicht umgewöhnen“

Die Unternehmensberaterin Brigitta Mettler ist neu im Verwaltungsrat des FC St.Gallen. Sie soll dem hiesigen Frauenfussball bessere Strukturen geben. Die 42-Jährige spricht über die nötigen Schritte – und über das Arbeiten in einer Männerdomäne.

Ralf Streule

Frau Mettler, bis vor kurzem hatten Sie nichts mit Fussball am Hut. Nun sind Sie plötzlich Präsidentin der Frauenabteilung des FC St.Gallen und Verwaltungsrätin. Was ist passiert?

Brigitta Mettler: Als ich vom Verein angefragt wurde, aus der Frauenabteilung eine professionelle Organisation zu machen, war für mich die Antwort klar. Das wollte ich tun. Ich beschäftige mich beruflich mit Unternehmensfragen und gleichzeitig ist es meine Leidenschaft, Strukturen für Frauen zu stärken. Da nehme ich gerne zwanzig bis dreissig Prozent ehrenamtliche Arbeit auf mich.

Was genau ist Ihr Auftrag?

Mettler: Der Frauenfussball hat einen tieferen Stellenwert als Männerfussball, daran wird sich nichts ändern. Die Frauen holen aber auf. Es geht nun darum, die Strukturen so festzulegen, damit die Frauen auch beim FC St.Gallen ein besseres Umfeld erhalten.

Was heisst das konkret?

Mettler: Die Frauen des NLA-Teams arbeiten alle Vollzeit, und sie trainieren daneben täglich. Das sind andere Voraussetzungen als bei den Männern. Löhne wird man den Frauen auch künftig nicht zahlen können, aber wir können ihnen mehr bieten. Wir wollen Ressourcen des Männerteams nutzen, bei der Förderung des Nachwuchses oder im medizinischen Bereich. Die drei Frauenteams – die U16, U19 und das NLA-Team – trainieren und spielen im Espenmoos. Vielleicht kann man teilweise ins Gründenmoos ausweichen, um von der Infrastruktur zu profitieren.

Wird der St.Galler Frauenfussball damit erfolgreicher? Die NLA-Frauen stehen am Ende der Tabelle.

Mettler: Langfristig sicher. Mit solidem Aufbau ist auch im Frauenfussball mehr möglich. Nicht von heute auf morgen, aber es geht bei meiner Arbeit vor allem um langfristige Ziele.

Werden Sie auch bei Entwicklungen rund um die erste Mannschaft der Männer Einfluss nehmen?

Mettler: Ich werde sicher nicht gleich alles verändern wollen. Aber als Nichtfussballkennerin und Frau sehe ich vielleicht einiges anders als Eingefleischte.

Nun gibt es im Männerfussball nicht selten ein gewisses Macho-Gehabe. Ertragen Sie dumme Männersprüche?

Mettler: Das stört mich nicht, ich bin beruflich in Männerdomänen unterwegs. Manchmal muss man bei gewissen Bemerkungen zwar schon zweimal hinhören. Aber ich werde mich nicht umgewöhnen müssen. Wenn, dann eher die Männer (lacht). Ich kann ziemlich gut kontern.

Werden Sie nun, da Sie im Fussball-Umfeld zu Hause sind, selber mal die Schuhe schnüren?

Mettler: Mit Sicherheit nicht. Als ich das Amt angenommen habe, sagten Bekannte von mir: «Solange du nicht selber spielst…».

(rst)

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