Wir gehören an die Spitze (St. Galler Nachrichten: 21. Dezember 2016)

Peter Jud trainiert die Frauen des FC St.Gallen seit diesem Sommer. Bereits zwischen 2009 und 2011 coachte er das Frauenteam der St.Galler. Mit ihm als Trainer schafften sie damals den Aufstieg in die NLA – dieser soll dieses Jahr wieder gelingen, wie er im Interview berichtet.

BENJAMIN SCHMID

Peter Jud, das von Ihnen trainierte Frauenteam des FC St.Gallen schloss die Vorrunde auf dem fünften Tabellenrang ab. Wie zufrieden sind Sie mit der ersten Spielhälfte der Saison?

Für die Spielerinnen war es keine einfache Zeit seit dem Abstieg aus der höchsten Spielklasse. Dementsprechend wichtig war das erfolgreich gestaltete Startspiel gegen Chenois. Dieses Erfolgserlebnis half der Mannschaft, die negativen Resultate der Vorsaison zu verarbeiten und zu verdauen. Vom taktischen, technischen und athletischen Standpunkt betrachtet gehören wir zur Spitzengruppe. Einzig die individuelle Klasse und Abgeklärtheit fehlt uns teilweise, sowie drei Punkte mehr, die wir für die Vorrunde budgetiert haben. Im Grossen und Ganzen bin ich aber mit der gezeigten Leistung zufrieden.

Welche Ziele wurden zu Beginn der Saison definiert?

Unser Ziel ist klar! Wir wollen zu den besten Frauenteams der Schweiz gezählt und die erste Adresse im leistungsorientierten Frauenfussball der Ostschweiz werden. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, braucht es harte Arbeit, viel Fleiss und eine ordentliche Portion Durchhaltewille. Meiner Meinung nach ist das Ziel, am Saisonende auf den ersten beiden Plätzen zu stehen und um den Aufstieg mitspielen zu können, nicht zu hoch gegriffen, sondern realistisch. Wir sind ein junges und erfolgshungriges Team, welches sich Spiel für Spiel an die Spitze herantastet.

Sie waren bereits zwischen 2009 und 2011 Trainer der Frauen vom FC St.Gallen. Wie haben Sie die Rückkehr erlebt?

Es war ein offener und freundlicher Empfang von der Mannschaft und vom Umfeld. Alle wissen, was zu tun ist und was verlangt wird – ob Spielerinnen, Trainerteam oder Vereinsführung. Ich spreche Mängel offen und direkt an, schliesslich möchte ich lösungs- und zielorientiert arbeiten und das Team nach vorne bringen. Mir geht es niemals um Einzelpersonen, sondern nur um die Sache. Ich zehre heute von positiven Erfahrungen, die ich über Jahre im leistungsorientierten Spitzensport gesammelt habe und versuche Kontinuität in den Verein zu bringen. Vor einigen Jahren durchlebte ich mit Ruggell eine ähnliche Situation und am Ende stiegen wir in die NLA auf.

Also sehen Sie ihre Chancen in der nächsten Saison in der höchsten Spielklasse zu spielen als intakt an?

Wir schauen nicht zurück, sondern nach vorne. «Was wäre wenn» interessiert uns nicht, unser Fokus liegt auf der täglichen Arbeit.

Wir gehören an die Spitze, dafür trainieren wir hart und professionell. Die hochgesteckten Ziele sind aber nur im Trainerteam mit den Fussballerinnen gemeinsam zu erreichen. Gesa Jürgens als Co-Trainerin, Katrin Seidler als Athletiktrainerin, Michael Knöpfel als Trainer Torhüterinnen, Sascha Niedzlelski als Physo und Monica Bedö als Masseurin leisten wertvolle Arbeit auf und neben dem Platz. Einen besonderen Impuls bringt das neu konzeptionierte Athletiktraining.

Welchen Einfluss hat die Eingliederung der Frauen in die FCSG AG auf das Team?

Darüber kann ich nicht viel sagen, ausser dass es mir nicht zusteht, darüber zu urteilen und zu werten. In unserem Trainingsalltag hat sich bisher nicht sonderlich viel getan oder verändert. Darüber könnte die Führungsetage mehr berichten und aussagen. Wir nutzen alle uns zur Verfügung gestellten Möglichkeiten aus. Beispielsweise haben wir einen kleinen Fitnessraum eingerichtet, um unsere Physis weiter zu verbessern. Der Raum wurde uns vom Verein zur Verfügung gestellt, die Geräte stammen alle aus privater Hand.