Ein Ehepaar an der Seitenlinie

Silvia und Ueli Heeb trainieren seit Anfang Jahr die Frauen von St. Gallen-Staad – Beitragsbild: Julia Metzler

Die Frauen von St. Gallen-Staad liegen in der NLB-Rangliste vorne. Aber sie enttäuschen im Heimspiel gegen Schlieren und erreichen nur ein 0:0. Das Trainerduo beschönigt nichts: «Wir spielten so schlecht wie noch nie.»

Beni Bruggmann

Nehmen wir das Positive aus diesem unfreundlichen Fussballabend auf dem Bützel in Staad an den Anfang. Die Frauen von St. Gallen-Staad erreichen zwar nur ein Unentschieden, sind aber nach 13 Spielen das einzige Team in ihrer Gruppe, das noch nie verloren hat.

Das Einlaufen vor dem Spiel gegen Schlieren bietet ein schönes Bild. Auf dem grellgrünen Kunstrasen wärmen sich die Frauen in blauen Jacken und weissen Hosen auf. Lockeres Laufen, Gymnastik, viele Ballberührungen, ein rassiges Spiel «5 gegen 5», alles läuft reibungslos und intensiv ab, überwacht vom Trainerduo in schwarzen Regentrainern. Dieses Duo ist neu.

Am ersten Januar 2018 haben die beiden ihr Amt angetreten. Trainer ist Ueli Heeb, A-Diplom, ein 53jähriger Geomatiker mit langer Erfahrung im Trainermetier. Assistenztrainerin ist Silvia Heeb, Diplom B+, mit Erfahrungen als Spielerin in der Nationalliga B und als Trainerin im Nachwuchsbereich. Seit dem Jahr 2000 sind die beiden verheiratet. Sie wohnen in Wetzikon im Thurgau. Erstmals führen sie gemeinsam eine Mannschaft.

Eine Fussballfamilie
Familie Heeb und der Fussball, die gehören zusammen. Silvia und Ueli haben sich beim Sport kennen gelernt, bei den Kickers Thundorf, wo das Jassen mindestens so wichtig war wie das Fussballspielen. Heute gehören auch Ramon (17), Sarina (15) und Leandro (13) zur Familie. Sie alle spielen begeistert Fussball, am liebsten im offensiven Bereich wie der Vater früher. Im Gegensatz zur Mutter. Sie war damals, als sie bei Etoile Carouge in Genf zum Nationalliga-B-Team gehörte, hinterste Feldspielerin. Libero nannte man diese Position. Ein Libero hatte immer die beste Übersicht. Es scheint, dass Mutter Silvia die Libero-Qualitäten in den Alltag mitgenommen hat: Sie sorgt im Hintergrund dafür, dass das «Fussball-Unternehmen Heeb» mit den täglichen Fahrten zu den Trainings und Spielen nach Wil, St. Gallen und Staad reibungslos funktioniert.

Gleichberechtigt
Nun ist das Ehepaar also in der Nationalliga B gelandet und trainiert viermal pro Woche. «Nach den Mittagessen bereiten wir daheim gemeinsam das Training vor», sagt Ueli, «und auf der Hinfahrt haben wir nochmals Zeit, darüber zu sprechen.» Im Training gibt es keine Hierarchie, da sind beide gleichberechtigt. Er übt mit einer kleinen Gruppe den Abschluss, sie führt mit den restlichen Spielerinnen technische Übungen durch. «Frauen hinterfragen Übungen mehr als Männer. Sie wollen das Ziel der Übung genau wissen», sagt Silvia. Nach dem Training geht es heimwärts. «Es gibt an einem Trainingsabend viele Beobachtungen, die sich zu einem Gesamtbild fügen. Diese tauschen wir auf dem Heimweg aus», erzählt die Trainerin.

Talente in der Ostschweiz halten
Ueli Heeb hat ein grosses Ziel: «Die Talente aus der Ostschweiz sollen nicht nach Zürich und Basel abwandern. Sie müssen bei uns beste Ausbildungsmöglichkeiten bekommen.» Dafür will er bei St. Gallen-Staad sorgen. Aber er weiss auch: Dann muss sein Team in der Nationalliga A spielen. Der Aufstieg ist deshalb fast ein Muss. Und genau aus diesem Grund wird ihn das ideen- und harmlose Spiel seiner Frauen gegen Schlieren mehr geärgert haben, als er es sich anmerken liess.