Ein halbes Leben im Staader Team

Jubilarin Claudia Stilz erhält nach ihrem 300. Meisterschaftsspiel von Teammanager Christian Wenger einen Blumenstrauss und eine Fotocollage. (Bild: Yves Solenthaler)

Claudia Stilz bestritt am Samstag ihr 300. Meisterschaftsspiel für ein Fanionteam des FC Staad, der seit dieser Saison als FC St. Gallen-Staad antritt. Ihren ersten Einsatz in der Nationalliga hatte die 32-Jährige vor mehr als 15 Jahren.

Yves Solenthaler, «Der Rheintaler»

Im NLB-Spiel gegen Thun schiesst Claudia Stilz in der 18. Minute das 1:0 für St. Gallen-Staad.
Es war ihr 112. Tor für ein Team des FC Staad (oder des FC St. Gallen-Staad). Das ist ebenso ein Vereinsrekord wie es die 300 Spiele sind. Und von 2012 bis 2014 war sie als bisher einzige Staaderin Schweizer Nationalspielerin.
Keine andere Spielerin prägte und prägt die Frauenmannschaft des FC Staad wie Claudia Stilz.
Am 2. April 1999, kurz nach ihrem 13. Geburtstag, löste Claudia Stilz erstmals eine Lizenz als Spielerin des FC Staad. Es dauerte nicht lange, bis sie es in die erste Equipe schaffte, die schon damals in der Nationalliga B spielte. Wann genau sie ihr Debüt gegeben hat, weiss weder Stilz noch ihr damaliger Trainer und heu- tige Vereinsadministrator Luc Haltner. Aber es muss im Jahr 2002 gewesen sein: «Ich war damals 16 Jahre alt.»
Hunderte Mitspielerinnen hat sie kommen und gehen gesehen und – konservativ geschätzt – ein halbes Dutzend Trainerinnen und Trainer kennengelernt. Auch nach 300 Spielen schätzt Stilz unverändert die Gemeinschaft in einem Team.
Diese hatte sie vermisst, als sie 2014 überraschend und noch vor Saisonende zurückgetreten war – sie zweifelte an ihrer beruflichen Situation, wollte etwas anderes erleben und war auch mit ihrer sportlichen Entwicklung nicht zufrieden.

2014 brauchte Stilz eine einjährige Auszeit
Stilz brauchte Antworten auf existenzielle Fragen – sie fand diese als auf eigene Faust Reisende. Als sie in die Schweiz zurückkehrte, wusste die ehemals kaufmännische Angestellte, dass sie eine Zweitausbildung als medizinische Masseurin absolviert.
Den Sport und das Gefühl, einem Team anzugehören, vermisste Stilz bald nach ihrer Rückkehr. Also schloss sie sich der zweiten Staader Mannschaft an und ging in der 1. Liga auf Torejagd – die Spiele, die sie damals machte, zählen nicht zum aktuellen Jubiläum.
Im Sommer 2015, etwas mehr als ein Jahr nach dem Rücktritt, schloss sich Stilz wieder dem Staader NLA-Team an. «Ich bin stolz darauf, dass ich mein früheres sportliches Niveau wieder erreicht habe», sagt Stilz.
«Mein Herz schlägt für den FC Staad», sagt Claudia Stilz – und wem, wenn nicht ihr, nimmt man das ab? Dass sie inzwischen in den Farben des FC St. Gallen spielt, stört sie nicht: «Die Zusammenarbeit der beiden grössten Ostschweizer Frauenfussball-Vereine ist gut für die Nachwuchsförderung in der Region.»
Sie war als Juniorin nie in einer Auswahl, schaffte es später dennoch ins A-Nationalteam: «Das war ein Dankeschön für jahrelange Leistungen.»
Im Matchprogramm von Stilz’ Jubiläumsspiel kommen frühere Weggefährtinnen zu Wort. Ex-Trainerin Sissy Raith drückt Stilz die Daumen für weitere 300 Spiele. «So viele werden es bestimmt nicht mehr», sagt Stilz, «wohl auch nicht mehr 100.» Sie wird nach dieser Saison entscheiden, ob sie weitermacht.
Vielleicht tritt sie nach einem weiteren NLA-Aufstieg ab – oder sie stellt sich nochmals der Herausforderung, in der höchsten Liga zu spielen. Aber auch in der NLB fühlt sich Stilz gut aufgehoben: «In dieser Liga können wir viel angriffiger auftreten, als das in der NLA möglich war.»